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Mittwoch, 12. August 2009
Vergessen Sie Disziplin!
Mi, 12. Aug. 2009, 21:32
von Ewald Brunmüller

Kennen Sie Bernhard Bueb? Der Mann hat ganz schön viel Wirbel verursacht. Er hat nämlich ein Buch mit dem Titel „Lob der Disziplin – eine Streitschrift“ geschrieben. Darin plädiert er für Werte wie Ordnung, Selbstüberwindung und Gehorsam. So sollen Menschen - vor allem Kinder und Jugendliche - Selbstdisziplin erlangen. Diese würden sie unbedingt für ein glückliches Leben brauchen. Er erntete dafür wenig Zustimmung und sehr viel Kritik. Als Antwort haben namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sogar ein eigenes Buch herausgegeben, in dem sie Buebs Thesen weitgehend widerlegen. Ihr Hauptkritikpunkt: Bueb meint eher Disziplinierung als Disziplin. Und Disziplinierung heißt nichts anderes als bestrafen. Bestraft wird in der Regel jemand, der etwas tut, was ein anderer nicht will. Es geht also letztendlich um Gehorsam. Wohin das führt kann man aktuell am Beispiel Iran sehen.

Disziplin gibt es gar nicht
Im Duden steht: „Disziplin ist das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen.“ Wie ist das bei Ihnen? Können Sie ganz ehrlich von sich behaupten, dass Sie Ihre Gefühle, Neigungen und sogar Ihren Willen beherrschen? Also ich nicht. Und ich bin froh darüber. Es soll ja Menschen geben, denen das leichter fällt. Daher fordern Sie es auch von anderen. Leider ist das nutzlos. Das ist so, wie wenn man zu einem Blinden sagt, er soll doch die Augen aufmachen und sehen.

Wir sind Menschen und keine Maschinen
Maschinen haben keinen Willen, keine Gefühle und keine Neigungen – auch wenn wir das manchmal glauben. Benutzer von Computern wissen, wovon ich rede. Dennoch: Wir sind Menschen und keine seelenlose Maschine. Und es hat keinen Sinn so zu tun, als wären wir eine. Es ist daher an der Zeit, die Idee, es gäbe so etwas wie Disziplin, loszulassen. Freunden wir uns stattdessen lieber mit dem Gedanken an, dass wir lebendige Menschen sind und nicht funktionieren müssen.

Wollen statt Müssen
Wenn Sie etwas erreichen wollen, dann entdecken Sie doch einfach Ihre Motivation dafür. Ohne Motivation geht nämlich gar nichts. Wenn es bei Ihnen zu einem inneren Kampf zwischen Disziplin und Motivation kommt, dann siegt immer die Motivation. Es ist einfach die stärkere Kraft. Versuchen Sie daher herauszufinden, warum Sie etwas Bestimmtes erreichen wollen. Manchmal muss man etwas länger danach suchen. Vielleicht versteckt es sich ja irgendwo unter Ihren Vorstellungen von Disziplin, Willensschwäche, Ausdauer, oder Lustlosigkeit?

Lust statt Anstrengung
Jetzt kann es ja sein, dass Sie gut motiviert sind. Aber das macht oft die Tätigkeit selbst nicht interessanter. Was nicht interessant ist, ist anstrengend und quälend. Klo putzen oder Unkraut zupfen sind für mich beispielsweise solche Tätigkeiten. Ich höre dabei meistens ein schönes Hörbuch oder gute Musik mit meinem MP3-Player. Das macht das Ganze gleich viel erträglicher. Bauen Sie also irgendetwas Lustvolles mit ein. Dazu brauchen Sie nur ein wenig Kreativität und Sie sollten bereit sein, die Dinge anders zu machen, als Sie es gewohnt sind. Das zahlt sich dann aber auch aus.

Wie ein Schneeball zur Lawine wird
Wenn Sie eine Sache schon lange vor sich her schieben und keinen Anfang finden, dann machen Sie sich den Anfang leichter. Ich mache jeden Monat meine Buchhaltung. Ich hasse diese Arbeit. Daher nehme ich mir zunächst nur einmal vor, die Belege zu sortieren. Das dauert nicht lange. Das Ergebnis: fünf bis sechs kleine Stapel Belege. Am nächsten Tag buche ich den ersten Stapel Belege ein. Mehr will ich gar nicht. Aber dann geht das so schnell, dass ich gleich den zweiten einbuche und ehe ich mich versehe, bin ich mit allen Belegen fertig. Bringen Sie also den Schneeball ins Rollen. Zur Lawine wird er ganz von selber.

Von Kindern lernen
Noch ein letzter Tipp: Hören Sie nicht auf, weiter zu machen. Wenn kleine Kinder gehen lernen, fallen sie oft hin. Aber sie stehen immer wieder auf und versuchen es aufs Neue. Auch Sie werden immer wieder über irgendetwas stolpern. Seien Sie dann nachsichtig mit sich selbst. Beginnen Sie wieder von vorne. Stehen Sie einfach wieder auf, und gehen Sie weiter.

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Alle schauen, keiner hilft: Das Bystander-Syndrom
Mi, 12. Aug. 2009, 21:22
von Martina Lasar

Vor kurzem ging eine erschütternde Nachricht durch die Medien. Ein neunjähriger Bub war in Wien in die Donau gesprungen und danach nicht mehr aufgetaucht. Nach Angaben der Feuerwehr sollen zwar die Einsatzkräfte alarmiert, aber sonst keiner der rund 200 zuschauenden Personen dem Buben zu Hilfe geeilt sein. Zur Vollständigkeit sei erwähnt: Dazu gibt es unterschiedliche Angaben.

Ein Einzelfall?
Wenn wir annehmen, dass es stimmt, dass keiner dem Buben zu Hilfe geeilt ist: Handelt es sich um einen Einzelfall? Woran liegt es, dass Menschen zusehen, aber nicht helfen?
Ein Einzelfall ist das keineswegs. Dieses Phänomen tritt häufig auf. Nämlich immer dann, wenn an einem Ort, an dem ein Unglück geschieht, besonders viele Personen anwesend sind. Es wird auch Genovese-Syndrom genannt nach einem Vorfall in New York, bei dem eine Amerikanerin einem Mordanschlag in ihrem Wohnhaus zum Opfer fiel. Dieser Anschlag zog sich über rund eine halbe Stunde dahin. Obwohl die Frau laut um Hilfe rief und mindestens 38 Personen zusahen, kam ihr niemand zu Hilfe.

Warum passiert das?
Die Sozialpsychologie kennt für dieses anscheinend so unmenschliche Verhalten verschiedene Ursachen:
• Furcht vor Blamage
Menschen fürchten, dass sie sich blamieren, wenn sie in einer Situation eingreifen, die sich dann als gar nicht so bedrohlich herausstellt
• Fehleinschätzen der Situation
Wenn zu viele Menschen anwesend sind, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Situation nicht als Notfall eingeschätzt wird („wahrscheinlich ist es eh nicht gefährlich, denn es macht ja auch sonst keiner was“).
• Die Eigenverantwortung nimmt ab
Wenn zu viele Menschen anwesend sind, teilt sich die Verantwortung auf alle auf. Je mehr Menschen anwesend sind, desto kleiner wird die Eigenverantwortung jedes einzelnen.
• Verweigerung durch Entscheidungsnotstand
Wer um Hilfe gebeten wird, kann sich in seiner Entscheidungsfreiheit eingeengt fühlen und dadurch die Hilfestellung verweigern („Muss das gerade ich machen?“).
Nach weiteren wissenschaftlichen Studien spielt es auch eine Rolle, wo jemand aufgewachsen ist. Menschen, die in einer Großstadt aufgewachsen sind, sind offensichtlich weniger hilfsbereit als Menschen, die im ländlichen Raum groß wurden. Ebenso dürfte auch die Bevölkerungsdichte von Bedeutung sein. In dicht besiedelten Räumen kommt es weniger zu Hilfeverhalten.

Was kann man tun?
Zunächst müssen Sie einen Notfall überhaupt einmal als ein solchen erkennen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Manchmal ist man zu weit weg (Ich konnte es nicht genau erkennen). Man schaut grade nicht hin oder man kommt zu früh oder zu spät dazu (Ich hab’ nichts gesehen). Oft wird die Situation gar nicht als gefährlich eingestuft (Die anderen haben auch nichts gemacht). Haben Sie aber erkannt, dass es gefährlich ist, dann heißt es Verantwortung zu übernehmen. Das ist gar nicht so einfach. Sie erinnern sich: Furcht vor Blamage, Warum ich?

Die Lähmung brechen
Haben Sie das überwunden, dann können Sie den Teufelskreis durchbrechen: Tun Sie irgendetwas – aber nur etwas, womit Sie sich nicht selbst oder andere gefährden. Damit brechen Sie die Lähmung der anderen und ziehen sie mit. Oft hilft es schon, wenn Sie nur andere mit Worten zu Handlungen anleiten. In solchen Situationen führen Menschen ganz automatisch klare Befehle aus, wenn man sie ihnen gibt.
Es ist sinnvoll, sich in einer ruhigen Minute zu überlegen, wie man wohl handeln würde, wenn man in einen Notfall gerät. Spielen Sie einfach einmal anhand von konkreten Vorfällen durch, was Sie tun könnten. Stellen Sie es sich wirklich ganz realistisch vor. Je genauer Sie eine solche Situation durchdenken, umso besser können Sie dann tatsächlich helfen. Sie können auch einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen, um Sicherheit zu erlangen.

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Sonntag, 26. April 2009
Die Freizeit – ein Fall fürs Museum?
So, 26. Apr. 2009, 14:06
Am 1. Juni 2009 öffnet das Museum Langau seine Pforten (Bezüglich Langau siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Langau). Es wurde komplett umgestaltet und beherbergt nun eine Dauerausstellung mit dem Titel „Freizeit – gestern, heute, morgen“.

Die Bezeichnung Freizeitmuseum hört sich zunächst ein wenig komisch an. Gehört die Freizeit, die den meisten von uns doch so heilig ist, wirklich schon ins Museum. Nun, wenn man das Alter der Freizeit als Maß-stab nimmt, dann ja. Die Freizeit, so wie wir sie heute verstehen, gibt es seit dem späten 18. Jahrhundert. Nachdem der Engländer James Watt 1769 die Dampfmaschine so perfektionierte, dass sie für den Antrieb von Maschinen brauchbar war, begann das Zeitalter der Industrialisierung. Die ersten großen Fabriken wurden gebaut und viele Menschen wurden von Bauern, Händlern oder Handwerkern zu Arbeitern. Ihre Zeit war im Wesentlichen zweigeteilt: Jene Zeit, in der sie in der Fabrik arbeiteten, und jene, in der sie frei hatten. Das war ihre freie Zeit. Und so verstehen wir unter dem Begriff „Freizeit“ auch heute noch jene Zeit, in der wir keiner Erwerbsarbeit nachgehen.

Ist Freizeit heute noch Freizeit?
In den letzten Jahrzehnten haben die meisten von uns immer mehr Freizeit. Dazu eine simple Milchmädchenrechnung: Die Woche hat 168 Stunden. Vierzig bis sechzig davon „arbeiten“ wir. Ungefähr genau so viel schlafen wir. Bleiben rund fünfzig bis siebzig Stunden pro Woche an Freizeit. Was machen Sie eigentlich so in dieser Zeit? Bei näherem Hinschauen bemerken wir, dass uns davon nur ein paar Stunden übrig bleiben, die wir wirklich zur freien Verfügung haben. Der Rest brauchen wir, um unsere alltäglichen Dinge zu erledigen: Kochen, Essen, Körperpflege, Putzen, Familie, Auto-, Bus- oder Bahnfahren die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Wir können eben nicht immer selbst über unsere Freizeit bestimmen.

Freizeitaktivitäten
Jene Zeit, die uns wirklich bleibt, füllen die meisten von uns mit irgendwelchen Aktivitäten; Hobbies ist hier das Stichwort. Je nachdem, wie viele man davon hat und wie intensiv man diese betreibt, können sie ganz schön zeitintensiv sein. Nur ein Beispiel: Das Schreiben dieses Artikels kostete, von der Ideensuche bis zum Posten des fertigen Artikels im Blog, sechs Stunden an Zeit. Gemessen am niedrigsten Stundensatz für freie Journalisten entspricht dies einem Wert von etwa 250 Euro. Jetzt werden Sie sagen: „Na ja, aber ein Hobby ist eben keine Arbeit.“ Und Recht haben Sie - aber nicht ganz. So scharf lässt sich das nämlich nicht abgrenzen. Was für mich ein Hobby ist, damit verdient jemand anderer sein Geld.

Freizeitwirtschaft
Das kann man aber auch noch anders betrachten. Unsere Freizeitaktivitäten können uns ganz schön viel Geld kosten. In der Freizeitindustrie verdienen nicht wenige Menschen mit der Freizeit der anderen ihr Geld. Wie viel haben Sie noch mal für Ihren letzten Urlaub ausgegeben? Oder haben Sie sich schon einmal ausgerechnet, wie viel Zeit Sie vor Ihrem Fernsehgerät verbringen? Dafür zahlen Sie Gebühren!

Muße und Müßiggang
„Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ sagt ein altes protestantisches Sprichwort. Was ist Muße eigentlich? Es ist jene Zeit, die uns völlig frei zur Verfügung steht und in der wir nur im Hier und Jetzt leben – ohne Termine, ohne Verpflichtungen. In dieser Zeit kann sich unsere Seele entspannen und oft haben wir gerade dann sehr kreative Ideen. Schon die alten Griechen wussten die Muße als schöpferische Quelle zu schätzen. Nehmen Sie sich daher öfter Zeit für den Müßiggang. Das muss nicht viel sein. Oft genügen eine oder zwei Stunden, und schon sind Ihre Lebensbatterien wieder ein wenig aufgefüllt.

Das alles und noch viel mehr können Sie im neuen Freizeitmuseum Langau erleben. In acht Räumen und dem begrünten Innenhof geht’s um die Themen Freizeit, Hobbies und Urlaub. Sie können an fünf "Freizeitgeräten" selbst aktiv werden, oder in der Hollywoodschaukel dem Müßiggang nachgehen. Auf jeden Fall werden Sie danach über „Freizeit“ ganz anders denken als vorher.

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Von der Nähe, von Grenzen und was Stachelschweine damit zu tun haben
So, 26. Apr. 2009, 13:53
Nun haben sich endlich die Tore zur lang erwarteten Niederösterreichischen Landesausstellung geöffnet. Sie findet an drei Austellungsorten statt. An jedem Ort gibt es ein eigenes Thema. Der gemeinsame Überbegriff lautet „Geteilt, getrennt, vereint“. Anlass ist der 20. Jahrestag des Falles des Eisernen Vorhangs.

In Telč werden die Beziehungen von Österreich und Tschechien auf künstlerisch-kultureller Ebene gezeigt, in Horn wird es um die gemeinsame Geschichte gehen und in Raabs liegt der Schwerpunkt beim Thema „Grenze“.

Grenzen zu ziehen ist ein ganz natürlicher Vorgang, der bei jedem/r Einzelnen von uns beginnt. Bestimmte Menschen lassen wir gerne ganz nahe an uns heran, bei anderen ist es uns angenehmer, wenn sie einen gewissen Abstand zu uns halten.

Aber auch unsere eigenen „Reviere“ stecken wir – genauso wie Tiere – gerne ab. Das beginnt mit der Jacke, die wir über „unseren“ Sessel hängen, um unseren Besitzanspruch damit zu kennzeichnen, geht über das Handtuch und den Sonnenschirm, das „unser“ Stück Strand ausweist bis zum Gartenzaun, der „unser“ Grundstück und „unseren“ Garten vor un-erwünschtem Zutritt schützt.

Nun ist es aber so, dass wir ja nicht nur bestrebt sind, immer nur andere von uns fernzuhalten – ganz im Gegenteil. Wir wären bald sehr einsam, wenn wir andere Menschen stets nur in einem gewissen Respektabstand zu uns halten würden. Gleichzeitig ist der Mensch natürlich auch in gewissem Sinne ein „Herdentier“, ein soziales Wesen, das den Kontakt zu anderen sucht und braucht. Mittlerweile ist die Wissenschaft davon überzeugt, dass Menschen mehr nach Kooperation, also Zusammenarbeit, streben als nach Konkurrenz.
Dieses Wechselspiel zwischen der Suche nach Nähe und der gleichzeitigen Angst davor – die Angst vor dem Verlust der Individualität – hat ein großer Philosoph sehr treffend in einer kleinen Geschichte verpackt (und somit komme ich jetzt auch endlich zu den versprochenen Stachelschweinen):

Die Stachelschweine
Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stachel; welches sie dann wieder von einander entfernte. Wenn nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so dass sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: keep your distance! - Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.
Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

Der Verfasser dieser Geschichte ist Arthur Schopenhauer (1788 – 1860). Er hat als Philosoph ein System des Pessimismus entworfen und war als einer der ersten der Ansicht, dass die Welt erst in unserer Vorstellung entsteht.

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Sonntag, 22. Februar 2009
Die Lust am Lernen
So, 22. Feb. 2009, 19:01
Ich darf beruflich gerade eine LEADER-Region betreuen, die sich dem Thema „Lebenslanges Lernen“ widmet. Im Zuge dieser Arbeit wurde eine Umfrage gemacht. Eine Frage war „Woran denken Sie beim Begriff ‚Lernen’?“. Der mit Abstand am meisten genannte Begriff war „Schule“. Dabei hat das Lernen in der Schule nur wenig mit richtigem Lernen zu tun. Meist handelt es sich beim schulischen Lernen um Auswendiglernen. Genau das ist aber langweilig und bringt nur sehr wenig. Ich bezeichne es gern als „Bulimielernen“ – reinstopfen und rauskotzen. Kein Wunder, dass die meisten von uns ein ungutes Gefühl haben, wenn wir an unsere Schulzeit denken.

Lernen macht glücklich
Das Lernen, das wir aus der Schulzeit kennen, ist aber nur ein kleiner Teil von dem, was man heute unter Lernen versteht. Hirnforscher haben herausgefunden, dass Lernen eines der wichtigsten Grundprinzipien unseres Menschseins ist. Der Mensch konnte sich in der Evolution vor allem deswegen so erfolgreich durchsetzen, weil er außerordentlich gut und schnell lernen kann. Und weil das so wichtig für uns ist, hat die Natur einen besonderen Mechanismus eingerichtet. Jedes Mal, wenn wir etwas lernen, fühlen wir uns so richtig gut. Es macht uns sogar richtig glücklich.

Wie geht das?
Die Hirnforscher sind diesem Phänomen schon auf die Spur gekommen. Die erste Erkenntnis ist: Menschen sind grundsätzlich neugierig – also: gierig nach Neuem. Neugier ist der beste Antrieb zum Lernen. Zweite Erkenntnis: Wir lernen in erster Linie durch Beobachten und Vergleichen. Beobachten ist aber nicht nur sehen. Es ist auch hören, fühlen, riechen und schmecken. Wir nehmen mit unseren Sinnen Informationen auf und vergleichen sie mit dem, was wir bisher erfahren haben. Und jetzt kommt’s – die dritte und wichtigste Erkenntnis: Wenn wir dabei etwas Neues, Unbekanntes finden, fängt unser Hirn sofort an, Glückshormone auszuschütten. Es belohnt uns, in dem es uns so richtig happy macht. Diese Glückshormone haben aber noch einen anderen Sinn. Sie helfen uns dabei, die Neuigkeit dauerhaft abzuspeichern.

Der AHA-Effekt
Sie kennen sicher selbst diese Momente: Sie probieren etwas aus und zuerst funktioniert es nicht. Dann plötzlich kommen Sie drauf wie es geht. Ah, so ist das! Und schon schießen die Glückshormone ein und Ihr Gehirn speichert die neu erworbene Erkenntnis ab. Oder: Sie treffen ihren Freund / Ihre Freundin im Kaffeehaus und tauschen den neuesten Tratsch aus. Hast du schon gehört? Hast du schon gesehen? Und schon sprudeln die Glückshormone, denn Sie müssen ja alles abspeichern, um es weitererzählen zu können. DAS ist Lernen! Bis zu 90 % von dem, was wir wissen, lernen wir so. Richtiges Lernen geht also immer damit einher, dass wir uns dabei glücklich fühlen. Beim Auswendiglernen passiert das nicht. Deswegen ist es auch so mühsam und wenig sinnvoll.

Wie wir ständig und sinnvoll lernen können
Die Schulzeit liegt bei den meisten von uns weit zurück (an alle SchülerInnen: Es geht vorbei!). Trotzdem sollten wir uns bewusst sein: Wir lernen andauernd etwas dazu. Mehr sogar: Wir müssen uns ständig weiterbilden, um beruflich mithalten zu können. Als Erwachsene haben wir aber einen entscheidenden Vorteil: Wir können es uns im Regelfall aussuchen, wie wir lernen. Und jetzt wissen Sie ja, worauf es ankommt. Prüfen Sie jeden Kurs, jede Schulung vorher ganz genau. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen die angebotene Lehrmethode überhaupt keinen Spaß macht, dann sollten Sie skeptisch sein! Aber Vorsicht: Was für den einen nicht passt, kann für den anderen genau das Richtige sein. Verlassen Sie sich nur auf Ihr eigenes Gefühl und nicht auf das, was jemand anderer sagt.

Zu Schluss noch ein Tipp
So können Sie automatisch andauernd und richtig lernen: Achten Sie auf Ihre Neugier und befriedigen Sie sie sofort. Wir fragen uns ja häufig Dinge, die dann aber unbeantwortet bleiben. Zum Beispiel: Was ist das für ein Käfer? Schauen Sie nach, in Büchern, im Internet, wo auch immer. Sie werden sich wundern, wie schnell Sie lernen.

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Spielen Sie eine Rolle?
So, 22. Feb. 2009, 18:02
Kommt darauf an, wie Sie diese Frage verstehen: Wenn jemand (oder etwas) eine Rolle spielt, versteht man darunter zumeist, dass jemand oder etwas besonders wichtig ist. Ich möchte aber auf die zweite Bedeutung hinweisen, nämlich auf die wörtliche: Spielen Sie eine Rolle so wie im Theater?
Wenn Sie jetzt meinen, dass das eine blöde Frage sei, denn Sie sind ja immer Sie und nie irgendjemand anderer – da haben Sie recht und auch wieder nicht.

Es gibt SchauspielerInnen so wie beispielsweise Robert de Niro, die in keiner Rolle so sind wie in einer anderen. Sie passen sich an jede Rolle vollkommen neu an – Robert de Niro betreibt für seine Darstellungen sehr oft Milieustudien, das heißt, er hält sich in der Umgebung und mit Menschen auf, die seiner Rolle entsprechen. Kein noch so guter Maskenbildner wird es schaffen, jemanden komplett in jemanden anderen zu verwandeln – dazu gehören ja auch Mimik und Gestik, ja die ganze innere Einstellung, „dieser Mensch zu sein“.

Andere SchauspielerInnen wiederum sind immer „sie selbst“ – sie können gar nicht anders. Denken Sie beispielsweise einmal an Ottfried Fischer – er ist immer Ottfried Fischer, egal ob er den Bullen von Tölz oder Pater Braun gibt.

Welche Rolle(n) spielen Sie?
Jetzt aber tatsächlich zu Ihnen. Meinen Sie, dass Sie immer „Sie selbst“ sind – oder spielen sie doch verschiedene Rollen?
Gehen Sie doch einmal in Gedanken Ihren Tagesablauf durch und überlegen Sie, wem Sie da so aller begegnen. Verhalten Sie sich Ihren Kindern genauso wie gegenüber Ihrem Chef? Oder als KundIn beim Friseur genauso wie in Ihrer beruflichen Tätigkeit?

Wir spielen alle Theater
So lautet der Titel eines sehr interessanten Buches von Erving Goffman, einem amerikanischen Soziologen. Darin überlegt er, dass wir möglicherweise alle niemals „wir selbst sind“, sondern immer und überall verschiedenste Rollen spielen. Manche Rollen sind bereits vorgezeichnet, so wie etwa die des Kellners, von dem man ein bestimmtes Verhalten erwartet.
Und um dem Titel auch wirklich gerecht zu werden, gehören zum Spielen nicht nur Schauspieler, sondern auch eine passende Bühne und Requisiten. Je nach „Setting“ – so der Fachausdruck für diese Umgebung – verhalten sich die Akteure jeweils unterschiedlich und angepasst. Denken Sie nur einmal an den Unterschied zwischen einem Besucher einer Kirche oder eines Kirtags!

Absichtlich spielen
Vor allem der Fasching oder die Mitarbeit bei einer Laienbühne bieten die Möglichkeit, einmal in eine neue, noch nie zuvor erprobte Rolle zu schlüpfen. Es macht ja auch Spaß, einmal als Lady daherzukommen, wenn Frau mehr der burschikose Typ ist, oder als Cowboy, wenn Mann sonst eher mit Anzug und Krawatte unterwegs ist. Aber auch im Alltag und ohne aufwendige Verkleidung kann man jederzeit in verschiedene Rollen schlüpfen. Probieren Sie es doch einfach einmal aus und sehen Sie was passiert, wenn Sie als eher zurückhaltender Mensch einmal den schillernden Schmetterling geben und sich trauen, etwas zu verlangen… Aber Vorsicht: Es könnte Ihren Horizont erweitern!

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Über das Wünschen
So, 22. Feb. 2009, 17:55
Was wünschen Sie sich eigentlich? Oder gehören Sie vielleicht zu den Menschen, die meinen: „Ich wünsche mir nichts – ich bin wunschlos glücklich“? Aber Hand auf’s Herz: Haben wir nicht alle kleine oder größere Wünsche? Nicht alle sind materiell und schon gar nicht alle sind erfüllbar. Sie kennen doch sicherlich die oft strapazierte gute Fee, die uns drei Wünsche erfüllen könnte; was wäre das dann bei Ihnen? Würden Sie sich als erstes auch „unendliche viele weitere Wünsche“ wünschen? Oder die drei G: Gesundheit, Glück und Geld?

Was ist Wünschen eigentlich?
Man könnte Wünsche als Träume verstehen, die vom Unterbewusstsein ins Bewusstsein gewandert sind. Dabei werden sie von einer ungefähren Vorstellung zu einer konkreten Wahrnehmung. Abgrenzen sollte man Wünsche von Bedürfnissen. Grundbedürfnisse sind z.B. essen, schlafen, wohnen. Jedoch ist keine scharfe Abgrenzung möglich. Wie ist es zum Beispiel mit „geliebt werden“? Hier ist eine genaue Zuordnung nicht mehr so leicht möglich.

Geld macht (oft) nicht glücklich!
Die meisten Menschen wünschen sich spontan viel Geld, weil sie glauben, sich damit alle Wünsche erfüllen zu können. Aber haben Sie sich auch überlegt, was passieren würde, wenn Sie jetzt 5 Millionen Euro gewinnen würden? Sie würden sich ein Haus, ein neues Auto kaufen, die Schulden abbezahlen, eine Weltreise machen und ein großes Fest geben? Und dann? Nach einer Studie der beiden deutschen Autoren Christoph Lau und Ludwig Kramer sind Lottogewinner gar nicht so glücklich, wie man meinen sollte: Das Glücksgefühl hält nämlich nicht lange an. Viel zu schnell gewöhnt man sich an das Erreichte. Und dann entsteht wieder die gleiche Leere wie vorher und man will immer mehr. Da ist es nicht verwunderlich, dass in der Gruppe der Lottogewinner die Selbstmordrate eine der höchsten ist. Sie sollten sich also fragen: Ist das, was ich mir wünsche, wirklich das, was mich glücklich macht? Unterschätzen Sie diese Frage nicht! Wünsche haben nämlich die Tendenz, wahr zu werden.

Was GENAU wollen Sie?
Diese Frage kommt nicht von ungefähr. Viele Menschen wissen sehr genau, was sie NICHT wollen: Nicht mehr so viel essen, nicht mehr rauchen, keinen untreuen Partner usw. Wie schon gesagt: Wünsche haben die Tendenz, wahr zu werden. Dabei spielen aber die Wörter NICHT und KEIN eine wichtige Rolle: nämlich KEINE. Unser Unterbewusstsein blendet diese Wörter einfach aus. Was bleibt also vom Wunsch „Ich will nicht mehr rauchen“ übrig, wenn man „nicht“ ausblendet? Hoppla – genau das Gegenteil. Formulieren Sie also Ihre Wünsche so, dass sie genau das enthalten, was sie wollen und nicht das, was Sie nicht wollen. Und noch etwas: Formulieren Sie das möglichst exakt! Wenn Sie sich wünschen „Ich möchte weniger essen.“, dann lässt „weniger“ sehr viel Spielraum. Wie viel weniger? Wovon weniger?

Richtig wünschen
Vor einiger Zeit führten Bücher über das Wünschen bzw. das Bestellen vom Universum die Büchercharts an. Diese wollen uns weismachen, man brauche sich nur die richtige „Wunschtechnik“ anzutrainieren und schon kann man sich alles wünschen und das Universum wird es erfüllen. Nun, aus unserer Sicht stimmt das – aber: ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Sie sollten dabei zwei wichtige Dinge beachten: Ihr Wünsche sollten eine zumindest halbwegs realistische Chance haben, sich zu erfüllen. Es nützt nichts, wenn Sie sich wünschen, nächste Woche Geigenvirtuose zu sein. Der Wunsch könnte durchaus in Erfüllung gehen, aber vielleicht erst in zehn Jahren. Und auch nur dann, wenn Sie bereit sind, tausende von Stunden zu üben und viel Geld in Ihre Ausbildung zu investieren. Hier sind wir schon beim zweiten Punkt. Sie müssen bereit sein, etwas dafür zu tun. Sie kennen sicher den alten Witz, in dem ein Mann Gott immer wieder bittet, ihn im Lotto gewinnen zu lassen. Irgendwann antwortet Gott und sagt: „Gib mir eine Chance und kauf dir endlich einen Lottoschein!“. Es kommt also darauf an, wie stark Ihre Motivation ist, aus dem „Wünschen“ ein „Wollen“ und daraus wiederum ein zielgerichtetes „Handeln“ entstehen zu lassen.

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Freitag, 21. November 2008
Mein Garten als mein Mentor
Fr, 21. Nov. 2008, 18:56
Mittlerweile ist der Herbst ins Land gezogen, lässt die Äpfel rot, die Blätter gelb und uns selbst nachdenklich werden. Falls Sie einen Garten besitzen, haben Sie vermutlich bis jetzt schon einiges an Vorbereitungsarbeiten für den Winter erledigt. So ein Garten – oder die Natur an sich – ist nicht nur ein ständiger „ArbeitGeber“, sondern er kann auch zu unserem Lehr-Meister und Mentor werden.

Der Herbst
Beginnen wir mit dem Herbst. Das ist die Zeit des Erntens, in dem wir die besten Früchte unseres Erfolgs pflücken können, die wir das ganze Jahr zuvor vorbereitet haben. Hier beginnt aber auch schon ein neuer Zyklus. Wenn Sie Ihre Sträucher und Bäume genau ansehen, können Sie feststellen, dass sich längst die Knospen für nächstes Jahr gebildet haben. So liegt in jedem Ende auch ein Neubeginn. Die meisten Pflanzen beginnen spätestens mit den ersten Frösten einzuziehen und zu welken. Manche sterben ab, haben aber zuvor jede Menge neuer Samen gebildet. Abgestorbene Pflanzen und Pflanzenteile sind der Dünger für die nächste Generation. Der Boden wird für die kommende Saison vorbereitet. Im Herbst begegnen sich Anfang und Ende. Gleichzeitig wird uns bewusst: Wir können erst ernten, wenn wir den ganzen Zyklus des Wachstums und der Reifung zuvor durchlaufen haben.

Der Winter
Das ist die Zeit des (scheinbaren) Stillstands. Nun kann sich die Erde erholen und bereitet sich auf die nächste Periode des Wachstums im Frühling vor. Auch viele Pflanzen sammeln unter der Schneedecke Kraft fürs Sprießen in wenigen Monaten. Nur einige Hartnäckige überstehen dauergrün den Winter. Der Frost bricht auch die hartnäckigste Scholle auf. Der Boden wird schön feinkrümelig aufbereitet und kann das Saatgut im Frühjahr besser aufnehmen. Auch in unserem Leben gibt es manchmal Stillstand, in dem anscheinend nichts weitergeht. Viele meinen, dass sie jetzt noch mehr Energie aufbringen müssen, um doch irgendetwas weiterzubringen. Aber wäre es nicht klüger, diese Phase zu nutzen, um neue Kräfte zu sammeln und den Boden für neue Vorhaben vorbereiten?

Der Frühling
Im Frühling beginnen schon sehr früh aus den Knollen, die wir im späten Herbst in der Erde vergraben haben, die ersten Pflanzen zu sprießen. Die Erde ist jetzt so gut vorbereitet und aufnahmefähig, dass wir neuen Samen ausbringen können. Doch kein Samen beginnt im Augenblick des Einlegens in die Erde zu wachsen. Erst nach einiger Zeit zeigen sich die ersten Blättchen. Also: Wenn ich die Samen für neue Unternehmungen ausgebracht habe, tut sich erst einmal (scheinbar) gar nichts. Erst nach einiger Zeit werde ich bemerken, dass aus meinen Vorbereitungen etwas hervorwächst. All zu lange dauert es jedoch nicht. Es kann aber auch sein, dass manche Saat gar nicht aufgeht.

Der Sommer
Im Sommer steht unseren Pflanzen die meiste Energie in Form von Licht und Wärme zur Verfügung. Diese nutzten sie zur Ausbildung und Reifung der Früchte. Auch wir sollten die Zeiten nutzen, in denen wir uns kraftvoll und energiegeladen fühlen. Jetzt können wir viel erreichen und unsere Pläne in die Tat umsetzen.
Pflanzen benötigen für Wachstum und Reife unterschiedlich lange. Von manchen kann man schon im Frühsommer die ersten Früchte ernten. Andere tragen erst nach einigen Jahren Früchte. Das Gute daran ist: Wer klug plant, was er wann anbaut, der kann das ganze Jahr über ernten.
Der Sommer ist aber auch eine Zeit der Extreme. Da gibt es einerseits Perioden großer Hitze. Viele Pflanzen leiden unter Wassermangel und einige verdorren. Manche sind angepasst und können ihren Wasserverbrauch auf ein Minimum reduzieren. Andere wurzeln sehr tief in die Erde und überstehen so die Trockenheit. Nicht selten folgen auf Hitzeperioden heftige Gewitter mit Hagel, Sturm und Überschwemmungen. Auch dies überleben viele Pflanzen nicht. Aber manche sind so gut verwurzelt oder so flexibel, dass sie selbst solche Katastrophen überstehen. Auch uns Menschen kann ein soziales Netz, in dem wir uns gut verankert haben, vor so mancher seelischen Katastrophe bewahren. Und wer darauf achtet, dass er in Notsituationen immer Alternativen hat, dem kann auch nicht so schnell was umwerfen.

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Montag, 3. November 2008
Liebe und Wahnsinn
Mo, 3. Nov. 2008, 22:49
… oder: Die schicksalhaften Folgen eines zur Überwindung der gefühlsmäßigen Langeweile gedachten Versteckspiels für die Menschheit. Allen liebenden Jungfrauen jedweden Geschlechtes zur immerwährenden Beachtung empfohlen.

(entlehnt von einem unbekannten Autor aus dem Internet und leicht adaptiert)

Es wird erzählt, dass alle Gefühle und Qualitäten des Menschen einmal ein Treffen hatten. Als die Langeweile zum dritten Mal gähnte, schlug der Wahnsinn vor: "Lasst uns Verstecken spielen." Die Intrige hob die Augenbraue und die Neugierde fragte: "Verstecken, was ist denn das?" "Das ist ein Spiel." sagte der Wahnsinn. "Ich schließe meine Augen und zähle von 1 bis 1.000. Inzwischen versteckt ihr euch. Wenn ich das Zählen beendet habe, wird der Letzte, den ich finde, meinen Platz einnehmen, um das Spiel fortzusetzen." Die Begeisterung und die Euphorie tanzten vor Freude. Die Freude machte so viele Sprünge, dass sie den letzten Schritt tat, um den Zweifel zu überzeugen und sogar die Gleichgültigkeit, die sonst an nichts Interesse zeigte, machte mit. Aber nicht alle wollten mitmachen: Die Wahrheit bevorzugte es sich nicht zu verstecken, wozu auch? Zum Schluss würde man sie immer entdecken und der Stolz meinte, dass es ein dummes Spiel wäre (im Grunde ärgerte er sich nur, dass die Idee nicht von ihm kam) und die Feigheit zog es vor, nichts zu riskieren. "Eins, zwei, drei,...", der Wahnsinn begann zu zählen. Als Erstes versteckte sich die Trägheit, die sich hinter den ersten Stein fallen ließ. Der Glaube stieg zum Himmel empor und die Eifersucht versteckte sich im Schatten des Triumphes, der es aus eigener Kraft geschafft hatte, bis zur höchsten Baumkrone zu gelangen. Die Großzügigkeit schaffte es kaum, sich selber zu verstecken, da sie bei allen Verstecken, die sie fand glaubte, ein wunderbares Versteck für einen ihrer Freunde gefunden zu haben: Ein kristallklarer See war ein wunderbares Versteck für die Schönheit. Eine dunkle Höhle, das war ein perfektes Versteck für die Angst. Der Flug eines Schmetterlings das beste Versteck für die Wollust. Ein Windstoß war großartig für die Freiheit. So versteckte sie sich letztlich selbst auf einem Sonnenstrahl. Der Egoismus dagegen fand von Anfang an einen sehr guten Ort, luftig und gemütlich, aber nur für ihn. Die Lüge versteckte sich auf dem Meeresgrund (stimmt nicht, in Wirklichkeit versteckte sie sich hinter dem Regenbogen). Die Leidenschaft und das Verlangen im Zentrum der Vulkane. Die Vergesslichkeit..., ich habe vergessen, wo sie sich versteckte, aber das ist auch nicht so wichtig. Als der Wahnsinn "999" zählte, hatte die Liebe noch kein Versteck gefunden. Alle Plätze schienen besetzt zu sein, bis sie den Rosenstrauch entdeckte und gerührt beschloss sich in der Blüte zu verstecken. "1000", zählte der Wahnsinn und begann zu suchen. Die Erste, die entdeckt wurde, war die Trägheit, nur drei Schritte vom ersten Stein entfernt. Danach hörte man den Glauben, der im Himmel mit Gott über Theologie diskutierte. Das Verlangen und die Leidenschaft hörte man im Vulkan vibrieren. In einem unachtsamen Moment fand der Wahnsinn die Eifersucht und so natürlich auch den Triumph. Den Egoismus brauchte er gar nicht zu suchen, ganz allein kam er aus seinem Versteck heraus, das sich als Bienennest entpuppt hatte. Vom vielen Laufen bekam der Wahnsinn Durst und als er sich dem See näherte, entdeckte er die Schönheit. Mit dem Zweifel war es noch einfacher, ihn entdeckte er auf einem Zaun sitzend, weil er sich nicht entscheiden konnte, auf welcher Seite er sich verstecken sollte. So fand er einen nach dem anderen, das Talent im frischen Gras und die Angst in einer dunklen Höhle. Nur die Liebe tauchte nirgendwo auf. Der Wahnsinn suchte sie überall. Auf jedem Baum, in jedem Bach dieses Planeten, auf jedem Berg und als er schon aufgeben wollte, erblickte er die Rosen. Mit einem Stöckchen fing er an, die Zweige zu bewegen, bis ein Schrei ertönte. Die Dornen hatten der Liebe die Augen ausgestochen. Der Wahnsinn war hilflos und wusste nicht, wie er seine Tat wieder gutmachen konnte. Er weinte und entschuldigte sich und er versprach ihr, für immer ihr Blindenführer zu sein. Seit dieser Zeit, seit zum ersten Mal auf Erden Verstecken gespielt wurde, ist die Liebe blind und der Wahnsinn immer ihr Begleiter.

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Sonntag, 20. Juli 2008
Jammern, Raunzen, Sudern
So, 20. Jul. 2008, 16:30
Dieser Tage scheint mir, dass die Unzufriedenheit vieler Menschen größer ist als normal. „Alles wir teurer und die Politiker streiten nur.“, so der Tenor der Meinungen. Als ob das so was Neues wäre. Aber die Österreicher jammern halt gern. Das sagt auch eine aktuelle Studie der Europäischen Kommission, im Rahmen derer EU-weit 25.000 Menschen befragt wurden, wie optimistisch sie die Zukunft sehen. 56 % der Österreicher glauben, dass ihr Leben in den nächsten 20 Jahren schlechter werden wird. Damit belegen wir den drittletzten Platz vor Belgien (58 %) und Deutschland (68 %). Dabei geht es uns jetzt im Allgemeinen, verglichen mit früher, viel besser. Warum jammern trotzdem so viele und was sind mögliche Alternativen? Der deutsche Psychotherapeut Roland Kopp-Wichmann hat dazu kürzlich einen Artikel veröffentlicht, aus dem ich Ihnen einige Ideen, ergänzt um meine eigenen Gedanken, vorstellen möchte.

Das Gute am Jammern
Gehen wir zunächst einmal davon aus, dass Jammern einen Sinn hat und uns nützt. Jammern sorgt dafür, dass es uns in einer Situation, in der wir unzufrieden sind, kurzfristig wieder besser geht. Wie geht das? Wenn ich jammere, bin ich plötzlich wichtig. Ich werde von den anderen stärker wahrgenommen und bekomme meist mehr Zuwendung. ICH bin der, um den man sich kümmern soll/muss. Allein die Vorstellung, wie jemand reagieren könnte, wenn ich jammere, bewirkt schon, dass es mir wieder ein wenig besser geht.

Das Schlechte am Jammern
Problematisch wird es, wenn wir das Jammern dauernd dazu einsetzen, um uns besser zu fühlen. Das wichtigste Wort an oben gesagtem ist „kurzfristig“. Langfristig ist Jammern eine schlechte Strategie. Es liefert mich den anderen aus und macht mich abhängig. Das Jammern ist ein ständiges Betteln darum, dass andere mein Selbstbewusstsein stärken. Und wenn die anderen das nicht tun, dann ist das ein guter Grund, noch mehr zu jammern. Ich mache also andere dafür verantwortlich, dass es mir gut geht. Der Nachteil ist, dass jammern nichts ändert. Die Frage ist, kann man immer was ändern?

Wer jammert, braucht nicht zu handeln.
Angenommen, Sie wollen ein Mittagsschläfchen machen und der Nachbar beschließt gerade jetzt, seinen Rasen zu mähen. Jammern ist die einfache Art, damit umzugehen. Es erspart Ihnen das Handeln. Sie beklagen sich über diese Rücksichtslosigkeit. Handeln wäre die aufwändigere, aber bessere Lösung. “Love it, change it or leave it!” lautet dazu eine hilfreiche Weisheit. Finden Sie das Erfreuliche an der Situation, ändern Sie sie (oder sich) oder ziehen Sie sich zurück. Egal, für welche der drei Möglichkeiten Sie sich entscheiden - Sie handeln und übernehmen Verantwortung.

Alles hat seinen Preis
Sie könnten mit dem Bus, dem Auto oder dem Fahrrad ins Büro fahren. Für einen Jammerer warten bei jeder Alternative Ärgernisse. Der Bus ist unpünktlich oder übervoll, das Benzin für das Auto ist teuer, mit dem Fahrrad kommen Sie in den Regen …Wer jammert, will keinen Preis für etwas zahlen. Wenn Sie sich entschließen, mit dem Auto zu fahren, entscheiden Sie sich gleichzeitig - wenn auch nicht immer bewusst - für Staus, Strafzettel, steigende Benzinpreise, hohe Reparaturkosten usw..

Wer jammert, kann sich als Opfer fühlen
Wie immer man eine Entscheidung fällt: Sie kann unangenehme Konsequenzen haben. Diese zu spüren und zu ertragen erfordert menschliche Reife und Selbstverantwortung. Jammerer wollen diese Selbstverantwortung nicht übernehmen. Sie glauben, dass das Leben gerade bei ihnen eine Ausnahme machen sollte und sie fühlen sich als Opfer der Umstände. Der Vorteil dieser Opferrolle: Man ist nie allein und findet Gleichgesinnte. Ich bin in einem Wirtshaus groß geworden und habe das dort oft erlebt: Die Jammerer finden schnell Zustimmung, denn Jammern verbindet und schafft eine wohlige Gemeinschaft mit anderen Menschen, denen es auch „schlecht“ geht. Am Ende des Tages haben alle die Welt verbessert und nichts verändert.

Und wie steht’s mit Ihnen? Wann jammern Sie? Und bleibt’s dabei oder kommen Sie vom Jammern zum Handeln?

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Dienstag, 20. Mai 2008
Warum bist du nicht, wie ich dich haben will? (Teil 3)
Di, 20. Mai. 2008, 21:28
Selbstbezogenheit und Alltagstyrannei
In den letzten beiden Beiträgen ging es um Steven Reiss und seiner Idee der Lebensmotive: Jeder Mensch hat seine eigene Sichtweise auf ein und dasselbe Thema und bewertet es auf seine eigene Art. Solange ich die Sichtweise des Anderen nachvollziehen und zumindest halbwegs akzeptieren kann, gibt es keine gröberen Probleme. Schwierig wird es allerdings, wenn ich die Sichtweise des Anderen nicht verstehe, weil sie meiner eigenen absolut entgegengesetzt ist. Im letzten Teil zu diesem Thema widmen wir uns einer besonders spannenden Frage: Was passiert, wenn ich blind für andere Sichtweisen bin und noch dazu den Anderen mit Gewalt dazu bringen möchte, meine eigene Art, mit einem bestimmten Problem umzugehen, zu übernehmen?

Selbstbezogenheit (self hugging)
„Self hugging“ bedeutet wörtlich „Selbstumarmung“. Wenn Sie sich eine Person vorstellen, die ihre Knie anzieht und sich mit den Armen umschlingt, dann ist genau das damit gemeint.
Leute, die selbstbezogen sind, denken, was für sie das Beste ist, muss automatisch auch für andere das Beste sein. Das heißt, sie kommen gar nicht auf die Idee, dass ein Anderer möglicherweise für ein Problem nur eine andere – und für ihn besser passende – Lösung gefunden hat. Nein: Für ihn gibt es nur die – EINZIGE – Lösung und Vorgehensweise. Zum Beispiel: Es gibt Personen, die sehr konsequente Nichtraucher sind. Sie versuchen immer und überall, ihre rauchende Umgebung von der Schädlichkeit ihres Tuns zu überzeugen. Oder Personen, die großen Wert darauf legen, zu jedem Anlass korrekt gekleidet zu erscheinen. Sie werden vermutlich keine Freude an der Kombination „Turnschuhe zum Smoking“ haben. Vielmehr prangern sie derartige Verstöße gegen IHRE Bekleidungsregel besonders lautstark an. Jemand, der großen Wert auf Ordnung legt, wird möglicherweise sein Gegenüber davon zu überzeugen versuchen, dass dieses erst glücklich sein kann, wenn es auch ordentlich ist.

Vor allem letzteres ist typisch für Selbstbezogene: Sie versuchen ihre Umgebung nicht nur davon zu überzeugen, ihre eigene Werthaltung zu übernehmen. Für sie gibt es überhaupt keinen Zweifel, dass der Andere erst dann wirklich glücklich ist, wenn er nach ihren Prinzipien lebt.
Sollten Sie sich gerade genau dabei ertappt haben, dann darf ich Sie beruhigen. Es liegt in der menschlichen Natur, dass wir glauben, wir könnten anderen beibringen, an den gleichen Dingen Freude zu haben wie wir selbst. Dabei nehmen wir fälschlicherweise an, es gäbe eine „passende Einheitsgröße für alle“. Wir ignorieren einfach, dass jeder seine individuellen Bedürfnisse hat. Wer außer mir hätte Freude an einem Geschäft, das ausschließlich gelbe Gummistiefel mit Entenaufdruck in Größe 38 führt?

Alltagstyrannei
Alltagstyrannei ist die verschärfte Form von Selbstbezogenheit. Bei der Selbstbezogenheit geht es mehr um die innere Einstellung. Bei der Alltagstyrannei geht es darum, was jemand aus einer bestimmten Lebenshaltung heraus tut.
Ein Alltagstyrann versucht mit allen Mitteln, jemanden anderen zu zwingen, sich nach seinen Vorstellungen zu verhalten. Gelingt ihm das, heißt das aber noch lange nicht, dass sein Gegenüber auch seine Einstellung geändert hat. Alltagstyrannen sind etwa Eltern, die Kinder in einen bestimmten Beruf zwingen. Es sind auch Menschen, die ihren Partner/ihre Partnerin dazu bringen, gegen die eigene Überzeugung ordentlich, sparsam, reinlich, gläubig etc. zu sein. Der Andere wird sich vielleicht eine Zeit lang unterordnen. Aber auch wenn er versucht, die Sichtweise des „Tyrannen“ zu verstehen - an seinen inneren Werten und Überzeugungen wird das angepasste Verhalten nichts verändern.

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Sonntag, 27. April 2008
Warum bist du nicht, wie ich dich haben will? (Teil 2)
So, 27. Apr. 2008, 14:55
Lebensmotive
Im letzten Eintrag habe ich (Martina) Ihnen von Steven Reiss, einem amerikanischen Psychologen, und seiner Entdeckung der 16 Lebensmotive erzählt.
Jedes dieser Motive kann stark, schwach oder neutral ausgeprägt sein. Kaum zwei Menschen besitzen ein und dasselbe Motivprofil. Ist bei zwei Personen ein Motiv unterschiedlich ausgeprägt, kann es oft zu Zwistigkeiten kommen – denken Sie an die großzügige Frau, die mit einem sparsamen Mann verheiratet ist.

Du verstehst mich nicht – und ich dich auch nicht…
Zunächst noch eine wichtige Anmerkung: Bei der Ausprägung dieser Motive gibt es kein „Gut“ oder „Böse“, kein „Richtig“ oder „Falsch“ (wie übrigens meistens im Leben…!). Es kommt nur auf die Sichtweise an. Jemand, der großen Wert auf Ordnung legt, wird nicht verstehen können, warum ein anderer in einem solchen Chaos überleben kann (liebe Eltern halbwüchsiger Kinder!!!) – genauso wundert sich aber auch der andere, wieso denn sein Gegenüber alles gar so pedantisch haben muss. Um genau dieses „Nicht-Verstehen“ – also darum, warum es so schwer ist, die Haltung des anderen nachvollziehen zu können - wird es heute gehen.

3 Elemente des „Nicht-Verstehens“
Dieses „Nicht-verstehen“ (im Original: „not getting it“ – wörtlich: „es nicht kriegen können“) kann dann auftreten, wenn zwei Personen mit genau entgegen gesetzten Meinungen oder Bedürfnissen zu ein und demselben Thema aufeinander treffen. Also: Der Geizhals auf den Verschwender, der Pedant auf den Chaoten, der Gemächliche auf den Hans-Dampf-in-allen-Gassen usw.
Nach Steven Reiss besteht dieses „Nicht-Verstehen“ nun aus drei Elementen: Dazu nun nähere Erklärungen und Beispiele zum besseren Verständnis.

Missverstehen
Fragen Sie doch einmal einen durchschnittlichen Teenager, wie ihm denn so das zweite Klavierkonzert von Rachmaninow, gespielt von Lang Lang, gefällt. Wahrscheinlich wird er Sie schon allein aufgrund der vielen in diesem Satz enthaltenen Fremdwörter anstarren, als wären Sie irgendwie ein Wesen vom andern Stern. (Sollten Sie in meinem – leicht fortgeschrittenen – Alter sein, erübrigt sich letztere Überlegung. Für einen durchschnittlichen Teenager SIND Sie in diesem Fall sowieso von einem anderen Stern.) Wie kann einem bitte SOWAS gefallen???? Umgekehrt: Mir fällt es ehrlich gesagt auch SEHR schwer, gewisse Musikrichtungen auf längere Sicht als anhörbar einzuordnen. Es geht also darum, dass es uns oft unheimlich schwer fällt, uns in die Lage eines anderen hineinzuversetzen, der eine genau entgegengesetzte Vorstellung hat. Das gilt aber nicht nur für den Musikgeschmack, sondern auch für die Lebensmotive. Jemand, der seine freie Zeit lieber daheim gemütlich vor dem Fernseher verbringt und gerne seine Ruhe hat, wird es schwer haben, nachzuvollziehen, warum jemand nervös werden kann, wenn es einmal ein paar Stunden keine „Action“ gibt – und umgekehrt. Wer sehr neugierig ist und ständig alles wissen will, kann sich nicht vorstellen, dass es anders sein kann. Umgekehrt wundert sich der andere, wie man ständig seine Nase in Dinge stecken kann, die einen nichts angehen. Beides ist in Ordnung – doch nur dann, wenn ich die Sicht des anderen nachvollziehen kann.

Selbstbezogenheit
Viele Menschen gehen davon aus, dass ihre Sicht der Dinge die einzig mögliche und natürlich auch richtige ist. Sie denken, dass das, was für sie das Beste ist, automatisch auch das Beste für jemand anderen sein muss. Das ist so, als würde ich ein Medikament, das mir sehr gut bei Bauchschmerzen geholfen hat, jemand anderen gegen Kopfweh geben. Oder: Die Schuhe, in denen ich hervorragend gehe, können jemand anderen entsetzlich drücken.

(Fortsetzung folgt)

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Warum bist du nicht, wie ich dich haben will? (Teil 1)
So, 27. Apr. 2008, 14:47
Vor kurzem habe ich (Martina) ein sehr interessantes Buch gelesen und möchte Sie nun dieses und das nächste Mal dabei teilhaben lassen. Besonders ein Kapitel hat es mir angetan – doch davon das nächste Mal.

Steven REISS ist ein amerikanischer Psychologe und erzählt in seinem Buch „Who am I?“ („Wer bin ich?“), wie er aufgrund einer schweren Erkrankung auf die Idee kam, sich mit Lebensmotiven von Menschen zu befassen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Susan Havercamp entwickelte er fünf Jahre lang seine Theorie der Lebensmotive und prüfte sie an über 6000 Menschen. Die beiden Wissenschaftler fanden heraus, dass es offenbar 16 grundlegende Bedürfnisse bei Menschen gibt, die stark, schwach oder neutral ausgeprägt sein können. Diese Grundbedürfnisse sind Reiss merkt übrigens an, dass er offen ist, diese Liste zu ergänzen, dass seiner Meinung nach aber alle Wesensmerkmale einer Person ausreichend abgebildet seien. Mindestens 14 dieser Grundbedürfnisse seien bereits genetisch festgelegt, meint Reiss.

Beispiel: Sparen
Um die unterschiedlichen Ausprägungen nun deutlich zu machen, ein Beispiel am Thema „Sparen“: Wenn für jemanden dieses Merkmal stark ausgeprägt ist, dann ist es für diese Person wichtig, Geld oder Gegenstände anzuhäufen bzw. nicht so schnell auszugeben. Er oder sie überlegt sich gut, wofür er etwas ausgibt. Bei einer schwachen Ausprägung handelt es sich um eine Person, der es nicht so wichtig ist, Geld oder Besitz anzusparen – bekommt er oder sie Geld, gibt er oder sie es ebenso schnell wieder aus.

Das Reiss-Profil
Da wir alle in jedem Bereich völlig unterschiedliche Ausprägungen haben können, entstehen dadurch völlig unterschiedliche Profile – insgesamt gibt es mehr als 3 Milliarden unterschiedliche Möglichkeiten.
Jeder Mensch hat also ein völlig anderes Profil – jeder Mensch ist einzigartig und unterscheidet sich vom anderen – und sei es auch nur in einer einzigen Variante.
Diese Unterschiede erklären aber auch, warum so viele Menschen miteinander Probleme haben. Sie haben in verschiedenen Bereichen einfach unterschiedliche Ausprägungen ein und desselben Motivs.

Du bist so anders….
So ist leicht einsichtig, dass es wahrscheinlich Probleme geben wird, wenn ein Mann, bei dem das Motiv „Sparen“ sehr stark ausgeprägt ist auf eine Frau trifft, bei der dieses Motiv nur schwach ausgeprägt ist. Vermutlich werden sich die beiden früher oder später in die Haare kriegen: Er wird nicht verstehen, wie sie das Geld so mit vollen Händen zum Fenster hinauswirft, sie wird ihn irgendwann als knausrigen Geizhals bezeichnen und sauer sein, weil er bei jedem Einkauf wissen möchte, ob das jetzt wirklich notwendig war und ob es dieses Ding nicht billiger gegeben hätte.

Sie kennen vielleicht Personen, die schlaflose Nächte haben, wenn sie ihr Konto einmal um 100 Euro überziehen müssen – andere wiederum können durchaus gut schlafen, obwohl sie mehrere tausend Euro im Minus sind.

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Samstag, 15. März 2008
Für Gute Laune sind wir selbst verantwortlich
Sa, 15. Mär. 2008, 17:44
Wenn’s mir besser gehen würde …
Es gibt Tage, an denen es uns nicht so gut geht. Wenn das bei Ihnen öfter der Fall ist, dann lesen Sie doch einmal die folgende Geschichte, die ich im Internet gefunden habe. Der Text wurde von mir leicht verändert und gekürzt.
Michael war so eine Art Typ, der einen wirklich wahnsinnig machen konnte. Er war immer guter Laune und hatte immer was Positives zu sagen. Wenn ihn jemand fragte, wie es ihm ginge, antwortete er: „Wenn's mir besser gehen würde, wäre ich zwei Mal vorhanden.“ Er war der geborene Optimist. Hatte einer seiner Angestellten mal einen schlechten Tag, meinte Michael zu ihm, er solle die positive Seite der Situation sehen. Eines Tages sagte ich zu ihm: „Das gibt’s doch nicht. Du kannst doch nicht ständig positiv denken!“ Michael entgegnete: „Wenn mir was Blödes passiert, dann habe ich zwei Möglichkeiten. Ich kannst wählen, ob ich eher guter oder eher schlechter Laune sein will. Und ich will eben eher guter Laune sein. Ich kann wählen, ob ich der Leidtragende einer Situation sein oder ob ich daraus etwas lernen will. Wenn jemand zu mir kommt, um sich zu beklagen, kann ich ich mich von ihm runterziehen lassen oder ich kann auf die positive Seite hinweisen. Ich habe die positive Seite gewählt“. „Ja, gut, aber das ist nicht so einfach“, war mein Einwand. „Doch, es ist einfach!“, meinte Michael, „Das Leben besteht aus lauter Auswahlmöglichkeiten. Ich entscheide, wie ich auf gewisse Situationen reagieren will. Ich kann wählen, wie die Leute meine Laune beeinflussen. Ich kann darüber entscheiden, wie ich mein Leben führen will.“
Kurz danach verloren wir uns aus verschiedenen Gründen, die hier nichts zur Sache tun, aus den Augen. Einige Jahre später erfuhr ich, dass Michael in einen schweren Unfall verwickelt war. Er stürzte etwa fünf Meter von einem Fernmeldeturm. Nach 18 Stunden im Operationssaal und Wochen intensiver Pflege, wurde Michael mit Metallstützen in seinem Rücken aus dem Krankenhaus entlassen.
Ich besuchte ihn und fragte, wie es ihm ginge. Er erwiderte: „Wenn es mir besser ginge, wäre ich zwei Mal vorhanden. Möchtest Du meine Operationsnarben sehen?“ Ich verzichtete darauf, fragte ihn aber, was in ihm vorgegangen sei im Augenblick des Unfalls. „Als ich da am Boden lag, erinnerte ich mich, dass ich zwei Möglichkeiten hatte: Ich konnte wählen, ob ich leben oder sterben wollte.“ „Hattest Du Angst?“ wollte ich wissen. Michael fuhr fort: "Die Sanitäter haben wirklich gute Arbeit geleistet. Sie hörten nicht auf, mir zu sagen, dass es mir gut ginge. Aber als sie mich in die Notaufnahme rollten, sah ich den Gesichtsausdruck der Ärzte und Schwestern, der sagte: ‚Er ist ein toter Mann.’“ „Und? Was hast Du getan?“ fragte ich ihn. „Nun, als die Aufnahmeschwester wissen wollte, ob ich auf irgendetwas allergisch sei, sagte ich ‚Ja’. Die Ärzte und Schwestern hielten inne und warteten auf meine Antwort. Ich atmete tief durch und sagte: ‚Auf Schwerkraft!’ Während das ganze Team lachte, erklärte ich ihnen: ‚Ich entscheide mich zu leben. Also operieren Sie mich, als wäre ich lebendig und nicht tot.“
Michael überlebte dank der Fähigkeit seiner Ärzte, aber auch wegen seiner Einstellung.
Ich gebe zu, die Geschichte ist ein wenig schwülstig und hinterlässt den komischen Nachgeschmack der offensichtlichen Belehrung. Aber die Kernaussage ist dennoch ein paar Gedanken wert. Wie sehr sind Sie in der Lage, Ihre Laune selbst zu bestimmen? Wie oft hören Sie sich sagen „Das hat mir jetzt die Freude verdorben.“? Wie sehr übernehmen Sie selbst die Verantwortung dafür, in welcher Stimmung Sie sich befinden? Halt! Das heißt natürlich nicht, dass Sie nie wieder traurig, wütend oder sonstwie schlecht drauf sein können. Es liegt aber meistens an Ihnen, wie schnell Sie da wieder rauskommen. Ein bißchen positiver denken hilft dabei ungemein. Wenn das aber über längere Zeit auch nichts nützt, dann sollten Sie sich nicht scheuen, professionelle Hilfe anzunehmen! Wie auch immer: Gut gelaunt lebt es sich einfach besser.

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Glücklicher durch Dankbarkeit
Sa, 15. Mär. 2008, 17:09
Eine einfache Methode
Soll ich Ihnen eine der einfachsten Methoden verraten, wie Sie glücklicher sein können? Nun, das brauche ich eigentlich nicht, denn Sie kennen sie sicher schon. Die Frage ist nur, ob Sie ihr bislang genügend Bedeutung beigemessen haben. Ich rede von Dankbarkeit. Nun werden Sie sich sicher fragen, was Dankbarkeit mit Glücklichsein zu tun hat. Eine ganze Menge! Nach Martin Seligman, einem amerikanischen Glückspsychologen, sind Menschen besonders dann glücklich, wenn sie Dankbarkeit empfinden können. "To count your blessings", wie es im Englischen heißt (auf deutsch in etwa: dankbar für das sein, was man hat) ist eine Grundvoraussetzung für eine positive Weltanschauung. Wir können nur positiv nach vorne sehen, wenn wir auch dankbar das Erreichte und Erhaltene annehmen können. Aber gerade damit tun wir uns oft sehr schwer.

Selbstverständlichkeiten
"Es ist nicht üblich, das zu lieben, was man besitzt." schrieb einmal der französische Literaturnobelpreisträger Anatole France. Traurig, aber wahr: Allzu oft nehmen wir die meisten Pluspunkte in unserem Leben viel zu selbstverständlich hin. Sie fallen uns gar nicht mehr auf. Oft hat nur das einen Reiz für uns, was wir NICHT haben. So lange etwas noch nicht erobert, noch nicht erreicht oder noch nicht gewonnen ist, erscheint es uns als attraktiv und kostbar. Kaum erreicht, ist es schnell wieder wertlos. Wir haben es hier mit einem echten Unglücklichkeitsrezept zu tun: immer das zu wollen, was man nicht hat und dabei das, was man hat, nicht wertschätzen zu können. Die einfache Antwort darauf ist: Lernen Sie Dankbarkeit für das, was sie haben und erfreuen Sie sich an dem, was ist. Wie wäre es, wenn Sie in 70% Ihrer Zeit den Dingen Beachtung schenkten, für die Sie dankbar sein können, 20% Ihrer Zeit dafür verwenden würden, um Lösungen für die Dinge zu finden, die noch nicht stimmen und nur noch 10% aufwendeten, um sich zu beklagen. Was würde das in Ihrem Leben verändern? Wie wäre es, wenn Sie einfach öfter DANKE sagten?

Die Dinge ins rechte Licht rücken
In Ihrem wie in meinem Leben gibt es auch Minuspunkte - Lebensumstände, die noch nicht stimmen und die wir uns anders wünschen. Aber wenn wir einmal dagegensetzen, was es alles an Pluspunkten in unserem Leben gibt, dann wiegt die Plusseite meist deutlich schwerer. Wenn wir lernen, dankbarer zu sein für die vielen guten Dinge in unserem Leben, dann rückt das viele kleine Probleme und Schwierigkeiten wieder ins rechte Licht. Wir merken dann, dass vieles die Aufregung gar nicht wert ist. Sehr oft kann man hinter scheinbar schlechten Umständen auch etwas Positives entdecken. Ein paar Beispiele gefällig? Dankbarkeitstraining
Wann haben Sie sich eigentlich das letzte Mal so richtig dankbar gefühlt? Können Sie sich noch erinnern, welch gutes Gefühl das war? Möglicherweise war es für Sie ebenso wie für mich ein Gefühl, das so richtig zufrieden und gelassen machte. Es hindert uns nichts daran, mehr von diesem Gefühl zu bekommen, indem wir einfach öfter und intensiver dankbar sind. Trainieren Sie Ihre Dankbarkeit regelmäßig und Sie werden sehen, wie Sie zufriedener und gelassener werden. Kleine Probleme und Schwierigkeiten werden Sie immer weniger berühren. Gewöhnen Sie sich einfach folgendes Ritual an: Jeden Abend vor dem Einschlafen fragen Sie sich zwei Minuten lang, wofür Sie heute dankbar sind. Was war heute gut? Was haben Sie heute genossen? Wo geht es Ihnen besser als anderen? Welche Dinge nehmen Sie vielleicht schon als zu selbstverständlich? Wenn Sie möchten, schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen damit.

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Sonntag, 10. Februar 2008
Lachen ist gesund
So, 10. Feb. 2008, 22:32
Dieser Artikel wurde von Ewald im Dezember 2007 veröffentlicht.

Da ich diese Zeilen schreibe, ist wieder einmal allerorten der Fasching ausgebrochen. Ein bisschen komisch ist es, dass dazwischen noch die „besinnliche“ Advent- und Weihnachtszeit ist. Aber ich finde es trotzdem gut, dass der Fasching so lange dauert. Er erinnert uns nämlich daran mehr zu lachen. Was? Sie haben nichts zu lachen? Das sollten Sie sich aber noch mal gut überlegen! Es ist nämlich mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass Lachen äußerst positiv für die körperliche und seelische Gesundheit ist. Sie meinen, Sie wären eben nicht in der Stimmung zu lachen? Der Philosoph Ludwig Wittgenstein sagte: einmal: "Humor ist keine Stimmung, sondern eine Weltanschauung." Wenn Sie sich also was Gutes tun wollen, dann legen Sie sich eine humorvolle Weltanschauung zu – und lachen Sie oft und regelmäßig!

Wissenschaftliches
Haben Sie schon einmal von der „Gelotologie“ gehört? Das ist die Wissenschaft der Auswirkungen des Lachens auf Körper und Psyche. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort gelōtos „das Lachen“ ab. Lesen und staunen Sie, was die GelotologInnen mittlerweile herausgefunden haben: Lachen wirkt z.B. schmerzlindernd. In Studien wurde bewiesen, dass Schmerzpatienten nach nur ein paar Minuten herzhaften Lachens deutlich weniger Schmerzen verspürten. Die Wirkung hielt einige Stunden lang an. Lachen stärkt außerdem das Immunsystem. Mittels Blutuntersuchungen wurde festgestellt, dass bei lachenden Personen die körpereigenen Abwehrstoffe deutlich anstiegen. Hier hält die Wirkung sogar einige Tage lang an. Lachen ist auch ein probates Mittel gegen Stress. Der Grund: Beim Lachen werden Glückshormone ausgeschüttet. Diese bewirken Entspannung und senken den Blutdruck und regen die Verdauung an. Die Schweizer Sexualtherapeutin mit dem schönen Namen Christina Casanova Waser will sogar herausgefunden haben, dass Menschen, die oft und gern lachen, auch beim Sex mehr Spaß haben. Auch wer abnehmen will, sollte (neben weniger essen und mehr Sport) viel lachen. Mit nur 20 Sekunden Lachen verbraucht man so viel Energie wie mit 3 Minuten schnellem Rudern. Dabei werden insgesamt 80 Muskeln betätigt.

Jetzt lachen Sie doch mal!
Es gibt also viele gute Gründe, mehr zu lachen. Leider tun wir es noch viel zu wenig. Ein Kind lacht pro Tag durchschnittlich 400 mal. Ein Erwachsener durchschnittlich nur 20 mal. Schön blöd, oder? Dabei ist es wirklich ganz leicht: Lachen Sie einfach. Das ist kein Spaß! Sie wissen doch wie es geht. Also lachen Sie! Was? Wozu brauchen Sie einen Anlass? Lachen Sie einfach so! Oder ziehen Sie zumindest die Mundwinkel zu einem breiten Grinsen hoch! Unser Gehirn kann nämlich nicht unterscheiden, ob wir wirklich lachen, oder ob wir nur so tun als ob. In beiden Fällen fängt unser Gehirn damit an, Serotonin und Endorphine auszuschütten. Ersteres ist eine Art Glückshormon und hat außerdem positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, das Magen-Darm System und das zentrale Nervensystem. Endorphine sind körpereigene Drogen. Im Gegensatz zu anderen Drogen sind sie nicht schädlich, haben aber eine ähnliche Wirkung. Jetzt wissen Sie also, warum wir alle so gern lachen.

Veränderungen der Gedanken
Beim Lachen lockern sich nicht nur Muskeln, sondern auch Gedanken. Es kommt zu einer veränderten Sicht der Dinge. Wer lacht, dem wird es möglich, seine Situation, die darin involvierten Personen und sich selbst mit etwas Abstand und aus einer neuen Perspektive zu sehen. Durch diese veränderte Sichtweise ist es möglich, seine - als belastend empfundene - Situation zu überdenken und neue Lösungsansätze für sein Problem zu finden.

Lach-Praxis
Wie kann man also im Alltag mehr lachen? Das ist gar nicht so schwer. Weniger als zwanzig Prozent des Lachens hat mit Lustigem zu tun. Am liebsten lacht der Mensch über Alltägliches, über Banales, über nichts. Es reicht, wenn Sie sich selbst gestatten, über die Dinge, die Ihnen während des Tages begegnen, auch lachen zu dürfen. Lustige Filme, Bücher, Lieder, Spiele, Kabaretts, Theaterstücke usw. sind natürlich auch geeignet.

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Montag, 21. Jänner 2008
Lernen lernen
Mo, 21. Jän. 2008, 22:23
Dieser Artikel stammt von Martina und wurde im November 2007 erstmals veröffentlicht.

Lernen – nein danke!!!
Falls Sie Ihren Haushalt mit jungen Menschen teilen, die eine schulische Einrichtung besuchen, dann kennen Sie vielleicht die Begeisterung, mit der diese das tun, was den meisten Menschen nicht gerade Frohlockensrufe entreißt: nämlich Lernen. Vielleicht haben Sie auch schon einmal angedeutet, dass das Ende der Schullaufbahn nicht gleichzeitig das Ende des Lernens bedeutet, sondern eher nur der Einstieg dazu ist – die mildeste Reaktion darauf ist wahrscheinlich so etwas wie: „Hört das denn nie auf?“

Dabei verwechseln viele Lernen mit dem, was eigentlich nur ein kleiner (jedoch der unsinnigste) Teil davon ist: nämlich etwas mehr oder weniger auswendig zu lernen, um es bei einer Prüfung wiedergeben und danach ganz schnell wieder vergessen zu können. Man nennt das auch „Bulimielernen„ – reinstopfen und rauskotzen. Gut – ganz so schlimm ist es letztendlich dann doch nicht, denn schreiben und lesen haben wir schließlich doch alle gelernt, oder?

Lernen ist Spielen
Wenn Sie einmal kleine Kinder beim Spielen beobachten, dann beobachten Sie sie dabei, wie sie lernen. Lernen heißt nämlich eigentlich, etwas so lange auszuprobieren, bis es funktioniert und man es beherrscht. Mit welcher Ausdauer haben wir alle gehen gelernt – obwohl wir hunderte Male umgefallen sind, bis wir halbwegs wackelig auf den Beinen standen. Viele Kinder probieren auch andere Dinge mit Begeisterung und Ausdauer – und sei es nur, wie oft man die liebe Mama, den lieben Papa ärgern muss, bis sie oder er endlich nachgibt (oder doch schimpft – aber das gilt es eben zu lernen…)

Lernen ist Fragen beantworten
Sobald Kinder halbwegs ganze Sätze bilden können, beginnt das Alter, das uns Erwachsene manchmal ganz schön fordert: Das „Warum?“-Alter. Kinder möchten wissen, warum der Himmel blau und die Wiese grün ist. Warum muss man ins Auto Benzin füllen? Woher kommen die kleinen Kinder? Wieso scheint jeden Tag die Sonne? Die Neugier und Wissbegier kleiner Kinder kennt scheinbar keine Grenzen. Aber überraschenderweise hört diese „gesunde Neugierde“ nur allzu rasch wieder auf.

Maßgeschneidertes Lernen
Ohne jetzt näher darauf eingehen zu wollen: Sobald Kinder die Schule besuchen, löst sich genau diese Wissbegier und Neugier spätestens nach einigen Jahren anscheinend in Luft auf. Komisch, nicht wahr? Leider lässt sich das Schulsystem nicht so einfach ändern, aber es gibt einige einfache Tipps, wie sich Lernerfolg und damit verbundene Motivation einigermaßen steigern lassen. Wussten Sie beispielsweise, dass einige Menschen leichter lernen, wenn sie etwas sehen (Text oder Bilder), andere jedoch, wenn sie etwas hören?

Lebenslanges Lernen
Nun wissen wir aber, dass unser Wissen sich in immer kürzeren Intervallen verdoppelt und wächst. Früher reichte einmal eine Berufsausbildung, damit jemand ein Leben lang sein tägliches Brot verdienen konnte. Heute heißt es, ständig dazuzulernen. Als Erwachsener haben Sie jedoch sehr oft den Vorteil, dass Sie sich selbst entscheiden können, was Sie lernen wollen. Und Erwachsene wissen meist auch, wozu sie etwas Bestimmtes lernen. Trotzdem können auch Erwachsene Probleme haben, sich etwas Neues zu merken – weil sie nie gelernt haben, ihrem Lerntyp entsprechend zu lernen. Und auch das Durchhalten bei einer längeren Ausbildung ist oft gar nicht so einfach.

Lernen lernen
Die gute Nachricht: Es ist möglich das Lernen selbst zu lernen und es zahlt sich auch aus. Stellen Sie sich vor, es macht Ihnen plötzlich Spaß zu lernen. Oder wie wäre es, wenn Sie Methoden wüssten, mit denen Sie sich spielend mehr merken können? Wäre es nicht toll, wenn Sie mit wenig Zeitaufwand einen Lernstoff nicht nur kennen sondern wirklich verstehen? Ich helfe Ihnen gerne dabei. Mit meinem speziellen Lerncoaching fällt es auch Ihnen bald das Lernen sehr leicht und es macht Ihnen sogar Spaß.

Probieren Sie es aus! Das erste Vorgespräch ist unverbindlich und kostenlos.

Martina Lasar
http://martina.lasar.googlepages.com
martina.lasar@gmail.com

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Sonntag, 16. Dezember 2007
Ja da lag das Jagdglas – Ada lass das Jagdglas da
So, 16. Dez. 2007, 22:43
Eine etwas seltsam anmutende Überschrift, nicht wahr? Andererseits wird sie wahrscheinlich einigen von Ihnen doch bekannt vorkommen. Tausende von uns mussten diesen Satz zigmal abschreiben, sehr oft geschah dies im schulischen Zusammenhang. Dieser Satz hat unter anderem auch dazu beigetragen, dass ich, verehrtes Leserpublikum, in diesem Moment diese Zeilen im Zehnfingersystem in meine Tastatur eingeben kann. Es ist einer der ersten Sätze, die das Maschinschreiben lernende Volk nach Kenntnis der Grundtastatur erweitert um die beiden Buchstaben g und h festzuhalten vermag. Zusätzlich ist a der einzige zu dieser Zeit zur Verfügung stehende Vokal, was die Auswahl von Worten oder gar einigermaßen sinnvollen Sätzen etwas einschränkt.
Die Sätze, die der werten Lernerschaft im Zuge dieses Unterrichts näher gebracht wurden, haben mich immer schon sehr fasziniert. Es wird also Zeit, diese Sätze einmal näher anzusehen und zu analysieren.
Ich habe mich immer gefragt, was wohl ein Jagdglas sei. Dieses Wort in eine wohlbekannte Suchmaschine eingegoogelt, ergibt im Wesentlichen zweierlei Arten von Jagdglas:
jagdglas 1Die Art von Jagdglas, mit dem man Wild erspähen kann -
und diese Art von Jagdglas, mit dem man vermutlich auch früher oder später schöne Dinge vor Augen hat, nachdem man den flüssigen, möglicherweise hochprozentigen, Inhalt aus dem Jagdglas entfernt hat.jagdglas 2
Wieso lag das Jagdglas da? Was ist da wohl vorher passiert? Nachdem die Rede davon ist, dass das Jagdglas „lag“, können wir davon ausgehen, dass es sich um ein Jagdglas in der ersteren der beiden oben erwähnten Formen handelt. Der Sprecher spricht in der sogenannten abgeschlossenen Vergangenheit – also in einer Form, die früher stattgefunden und keinerlei Auswirkungen auf die Gegenwart hat. Möglicherweise stammt dieser Satz aus einem Kriminalstück, in dem das Jagdglas – in welcher Form auch immer – eine wesentliche Rolle spielt. Wenn ich aber z. B. jemanden einen Ort zeige, an dem sich einige Zeit zuvor etwas befunden hat, würde ich dazu die Vergangenheit verwenden („da ist das Jagdglas gelegen“), denn dieser Umstand wirkt ja offensichtlich sehr wohl noch in die Gegenwart hinein.
Nun zum zweiten Satz. Ada ist unter anderem die Abkürzung für verschiedene Organisationen (Austrian Development Agency, Österreichischer Diabetikerverein) bzw. der Name einer Firma, die Polstermöbel erzeugt. Weiters ist Ada eine Programmiersprache und der Vorname der derzeitigen Vizerektorin der Donauuniversität in Krems. Wir können davon ausgehen, dass es sich um einen solchen Vornamen handelt, denn es scheint eine Person angesprochen zu werden. Laut Wikipedia hat der Vorname Ada zwei mögliche Wurzeln: zum einen das Hebräische, hier bedeutet Ada »die [vom Herrn] Geschmückte« oder »die edle/vornehme Kämpferin« bzw. von »edlem/vornehmem Wesen«; zum anderen eine althochdeutsche als Sonderform von Namen, die mit „Adel-“ (= „edel“) beginnen.
Genauer gesagt, wird dieser Person sogar ein Auftrag oder Befehl erteilt bzw. an diese Person eine Bitte ausgesprochen. Der Sprecher scheint mit dieser Person namens „Ada“ besonders vertraut zu sein, denn er redet sie in der „Du-Form“ an. Warum aber soll Ada das Jagdglas da lassen? Hier möchte ich Sie anregen, Ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen. Geht der Sprecher mit Ada in den Wald, um Wild zu beobachten? Ist Ada Jägerin? Hat er Böses im Sinne?
Und: Hängen die beiden Sätze irgendwie zusammen?
Ich wünschen Ihnen viel Spaß dabei, sich nun eine wirklich spannende Geschichte auszudenken…

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Mittwoch, 5. Dezember 2007
Sagen und Glauben
Mi, 5. Dez. 2007, 22:04
Vielleicht kommt Ihnen diese Geschichte bekannt vor: Nach einer Indienreise bemerkt eine junge Frau eine kleine Beule auf ihrem Kopf. Die Beule wird mit der Zeit größer und die Frau meldet sich beunruhigt bei ihrem Arzt an. Am Morgen vor dem Arztbesuch wäscht sie sich die Haare, und als sie mit dem Kamm versehentlich über die Beule fährt, reißt diese auf und kleine schwarze Fliegen (wahlweise auch Spinnen) kommen daraus hervor. (Entnommen aus: „Die Spinne in der Yucca-Palme“, Beck’sche Reihe, 1992).
Solche Geschichten, die man immer wieder als absolut wahr und wirklich passiert erzählt bekommt, nennt man moderne Sagen oder auch „Urban Legends“ (Stadtlegenden). Solche Geschichten kann man auch immer wieder als kleine Randmeldungen in der Zeitung lesen, so wie die Geschichte von der Katze oder dem Hund, der hunderte Kilometer zurück nach Hause gelaufen ist.

War das wirklich so?
Ein sehr bekanntes, auflagenstarkes, österreichisches Kleinformat warb vor einiger Zeit mit dem Slogan „Glauben Sie’s erst, wenn es in der XY steht“. Dabei wimmelt es gerade in dieser Zeitung von Halb- und Unwahrheiten bzw. schlecht recherchierten Meldungen – wobei dieses Blatt absolut keine Ausnahme bildet. Das Problem ist, dass nicht jeden Tag oder jede Woche etwas wirklich Sensationelles passiert, über das es sich zu berichten lohnt – die Seiten müssen aber gefüllt werden. Außerdem wollen die Zeitungskäufer angelockt werden, und mit irgendwelchen trivialen Meldungen gelingt das nicht, sehr wohl aber mit schauerlichen, peinlichen oder sonst wie Aufsehen erregenden Meldungen. So wird halt hier ein bisschen aufgebauscht, dort ein bisschen ausgebaut, bis schmackhaftes „LeserInnen-Futter“ draus geworden ist. Wenn Sie einmal die Berichterstattung über ein und dasselbe Ereignis in verschiedenen Medien (dazu gehören auch Fernsehen und Radio) vergleichen, werden Ihnen vermutlich bald Ungereimtheiten auffallen. Das beginnt bei Alter, Beruf, Aussehen und Wohnort von beteiligten Personen und setzt sich bei der Schilderung eines Hergangs fort. Besonders auffällig ist es, wenn man die Fakten selber genauer kennt.

Ein kleiner Versuch
Vor allem in Kommunikationsseminaren gehört folgende Übung zum Standardrepertoire der TrainerInnen: Von einer Gruppe von 5-7 Personen verlassen alle, bis auf eine, den Raum. Diese eine Person bekommt ein Bild und darf es sich ein paar Minuten lang einprägen. Dann wird das Bild entfernt und eine zweite Person der Gruppe kommt herein. Die erste Person erklärt nun der zweiten, was auf dem Bild zu sehen war. Danach kommt die dritte Person herein und die zweite erklärt der dritten, was auf dem Bild zu sehen war. Und so geht das immer weiter. Die letzte Person darf dann das Bild zeichnen und mit dem Original vergleichen. Sie ahnen sicher schon was dabei herauskommt. In der Regel haben die beiden Bilder überhaupt keine Gemeinsamkeiten, und das hängt mit Sicherheit nicht von den Zeichenkünsten der letzten Person ab. Meistens ist die Bildbeschreibung schon ab der dritten oder vierten „Station“ völlig anders, als das Bild.

Wie sicher sind Ihre Informationen?
Was ist passiert? Eine bildhafte Information muss von der ersten Person in Sprache umgewandelt werden. Die zweite Person wandelt die Sprache im Kopf wieder in ein Bild um, um dieses gleich danach für die nächste Person wieder in Sprache umzuwandeln. Dabei wird die Information von jeder Person einerseits gefiltert (es wird etwas weggelassen) bzw. interpretiert (es wird etwas hinzugefügt). So verändert sich die Information mit jeder „Station“ und hat sehr rasch nur mehr wenig mit der ursprünglichen Information zu tun.
Und jetzt raten Sie einmal: Wie viele „Stationen“ könnte das, was Sie in der Zeitung lesen durchlaufen haben? Woher haben JournalistInnen ihre Informationen und wie gut sichern sie diese ab? Und wenn Ihnen jemand etwas am Stammtisch erzählt: woher könnte er/sie diese Information haben? Aus dem Radio? Aus der Zeitung vielleicht? Oder gar von jemandem, der/die es in der Zeitung gelesen hat? Etwa gar in jener, die Ihnen sagt, dass Sie ihr glauben sollen? Wieviele Stationen hat eine Information bereits durchlaufen, bis sie zu Ihnen kommt? Diese Frage sollten Sie sich stellen, vor allem, wenn Sie etwas schier Unglaubliches hören!

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